Baderteich1000ARaetsch2022Den Baderteich wieder entdecken
Derzeit finden unterhalb der Nikolaikirche in Geithain die Baumaßnahmen zur Renaturierung des Eulabaches statt. Auf Grund einer biologischen Maßnahme zur tiefgründigen Entfernung von invasiven asiatischen Staudenknöterich, kann man dabei eine ungewöhnliche Ansicht erhalten. Den richtigen Blickwickel vorausgesetzt, entsteht der im Jahr 1867 trockengelegte Baderteich vor dem Auge des Betrachters. Da dieser Bauzustand nur von kurzer Dauer sein dürfte, sollte man sich jedoch für diesen Ausblick beeilen. Der Begriff „Baderteich“ ist heute sicherlich vielen Bürgern unbekannt. Doch die Entwicklung der Stadt Geithain und den Baderteich verbindet eine lange gemeinsame Vergangenheit. Südlich der Stadt Geithain wurde bereits vor dem Jahr 1209 der große Teich, von der Dammmühle bis weit in die Flächen des Stadions hinein, angelegt. Dabei halfen ein natürlicher Felsvorsprung im Bereich der Nikolaikirche, welcher mit geringen Anpassungen als Damm hergerichtet werden konnte sowie die Wassereinspeisung durch den von Wickershain zulaufenden Eulabach. Zu dieser Zeit trägt der Teich den Namen „Unterer Fürstenteich“, da er sich gemeinsam mit dem noch heute vorzufindenden Oberfürstenteich im landesfürstlichen Besitz befand. Zu den wichtigen Aufgaben des Teiches gehörten in erster Linie, die Wasserregulierung des erheblich schwankenden Eulazulaufes, die Nutzung als Fischzuchtgewässer, den zusätzlichen militärischen Schutz der Stadt und nicht zuletzt als Einnahmequelle für weltliche Abgaben, Lehen sowie den kirchlichen Fischzehnten. Mit der Anstauung des Teiches war es aber überhaupt erst möglich geworden eine Mühle zu betreiben. Sie entstand ebenfalls vor dem Jahr 1209, als heute bekannte „Dammmühle“. Schwer in Mitleidenschaft gezogen, wurde der Teich jedoch im Jahr 1450. Während einer Belagerung der Stadt wurde unter anderem der Damm an der Dammmühle durchstochen, um die Fischzucht zu verwüsten.
AuszugStadtplan 1832ZeichnungKHOerteltFür eine bessere hygienische Versorgung der Bürger im Mittelalter errichtete man in Geithain eine Baderei. Aus dem Jahr 1499 bekannt, erhielt die Stadt Geithain dazu das Recht, Wasser aus dem Unteren Fürstenteich entnehmen und nach Gebrauch schadenfrei wieder zurücklaufen lassen zu können. Dreißig Jahre später bewilligte der damalige Rat der Stadt einen Fahrweg nördlich entlang des Teiches anzulegen, heute der „Promenadenweg“, um das Getreide von den Stadtäckern zur Dammmühle fahren zu können. Im Jahr 1559 kaufte dann die Stadt Geithain den Teich aus dem landesfürstlichen Besitz heraus. Vermutlich änderte sich zu dieser Zeit auch die Bezeichnung von „Unterer Fürstenteich“ zu der zuletzt gebräuchlichen Benennung „Baderteich“, welche sicherlich den Bezug zur Baderei in der Stadt hatte.
Ab Anfang des 19. Jahrhunderts begann die Geltung des Baderteiches mehr und mehr zu fallen. Mit dem Übergang zum Dampfkraftzeitalter verlor die Dammmühle als Hauptnutzer des Teiches ihre Bedeutung.
Im Jahr 1867 ließ die Stadt Geithain daher den Baderteich trockenlegen. Der alte nördliche Fahrweg entlang der Stadtmauer wird hierbei zum Promenadenweg umgebaut und eine Kastanienallee angelegt. Für die Anlage des Guenther-Sport-Platzes ab 1925 wurde dann eine Verlegung der Eula durchgeführt. Diese ermöglichte die Herrichtung von Spielflächen im östlichen Bereich des ehemaligen Baderteiches „für die gesunde Entwicklung der Leibesübungen unserer Geithainer Jugend“. Im westlichen Teil des trockengelegten Teiches entstanden nachfolgend abgezäunte Beete und Gärten für die Geithainer Bevölkerung.
Die letzte große Anstauung des „Baderteiches“ konnte die Geithainer Bevölkerung am 09. Juni 2013 verfolgen. Nach einen kurzen, aber erheblichen Starkregen schwoll der Eulabach so stark an, dass der alte Damm an der Dammmühle seine alte Aufgabe wiederentdeckte und einen Rückstau in der damaligen Gartenanlage bis in das „Henning-Frenzel-Stadion“ erzeugte.
Die derzeitige stattfindende Renaturierung des Eulabaches soll zukünftig die häufiger auftretenden kleineren Hochwasser abschwächen und den Eulawiesen, unterhalb der Kirche, wieder einen natürlicheren Anblick verschaffen.

Andreas Rätsch