Paul Guenther RasierbecherPaul Guenther Schule2021Vor 90 Jahren - aktuelle Gedanken zum Tod Paul Guenthers
Schuldirektor Louis Petermann hatte zu Weihnachten und Jahreswechsel 1931/32 Paul Guenther wieder einen Brief geschrieben. Diesmal war es das Projekt „Erweiterung des Schulhofes auf der Westseite“, welches 1931 abgeschlossen werden konnte und wofür sich Petermann in diesem Brief  bedankte. {Play}Dank sagte er auch für die Überweisung von 3000 RM für Heizmittel, wodurch der Schulbetrieb über den Winter gesichert war. „Sie werden sich kaum vorstellen können, wie traurig unsere finanzielle Lage ist: Die städtischen Kassen sind leer, neue Zuschüsse weder vom Reich noch vom Land zu erwarten…“ Petermann beendete seinen Brief mit den Worten: „Im Namen aller Geithainer Lehrer und Schulkinder wünsche ich, daß Ihnen das Jahr 1932 nur Gutes bringe, Gutes für Ihre Gesundheit, Gutes für Ihre liebe Familie, Gutes für Ihr Geschäft! …Mit herzlichen Grüßen verbleibe ich in Hochachtung und Dankbarkeit Ihr Louis Petermann.“

Petermanns Wunsch ging leider nicht in Erfüllung, denn das Jahr 1932 brachte nichts Gutes. Paul Guenther  starb am 17. Januar 1932 in seiner Villa "Margarethe" in Dover/N.J. im Alter von 71 Jahren an Herzschlag. Für viele kam der Tod überraschend, obwohl  ein Herzleiden seine rastlose Tätigkeit schon seit einigen Jahren beeinträchtigt hatte. Im  "Geithainer Wochenblatt" vom  20.1.32  zum Tode Guenthers lesen wir u. a.: "Sein Andenken wird fortleben ...Auf immer wird Geithain mit Paul Guenther  in Dankbarkeit, Hochschätzung und Verehrung verbunden bleiben." In der Ausgabe vom 22. Januar erschien eine halbseitige Traueranzeige des Stadtrates, sprachlich hervorragend verfasst von Dr. Focke, dem Bürgermeister. Im Rahmen des Gottesdienstes am Sonntag, dem 24. Januar, gedachte die Kirche in einem Trauerakt des verdienstvollen Verstorbenen. Ferner war am gleichen Tag von 12.00 bis 12.15 Uhr "das Geläut der Heimatglocken des in die ewige Heimat Abgerufenen angeordnet." Natürlich veranstaltete auch die Schule eine würdige Trauerfeier mit einer Rede des Schuldirektors Petermann.   Kantor Max Andreas, damals noch Lehrer an der Paul-Guenther-Schule, ließ die Feier "mit den dumpfen Akkorden des Trauermarsches aus der As-Dur-Sonate von Beethoven“ ausklingen. Den Geithainern war nicht nur die Einweihung der Schule 1925 in lebhafter Erinnerung. Paul Guenther musste seine Teilnahme an den Feierlichkeiten aus beruflichen Gründen kurzfristig absagen. Um so größer die Freude in der Stadt, als er 1929 einen  Kuraufenthalt  in Deutschland mit dem Besuch seiner Heimatstadt verband. Ganz frisch im Gedächtnis der Stadt war aber seine aktuelle Hilfe kurz vor seinem Tod (s. o.).

"Sein Andenken wird fortleben...“ hieß es im Geithainer Nachruf. Es lebt fort in der Paul-Guenther-Schule und in der Bruno-und-Therese-Guenther-Stiftung, die seit 100 Jahren kontinuierlich existiert und wirkt! Der Förderverein der Schule lässt sich in seiner Arbeit leiten von dem Kernsatz in der Vereinssatzung: Der Verein dient der Förderung und Würdigung des Lebenswerkes von Paul Guenther.“ Die großzügige Fördertradition Paul Guenthers wurde seit 1995 fortgesetzt durch die Spenden seiner Enkelin an den Förderverein der Schule. Diese ermöglichten 2002 die Gründung einer zweiten Stiftung, der Stiftung des Fördervereins der Paul-Guenther-Schule Geithain. 2020 erhielt die Stadt als Schulträger eine Großspende mit der ausdrücklichen Verfügung, diese ausschließlich für die Paul-Guenther-Schule zu verwenden.

In Dover und Umgebung waren Trauer und Anteilnahme ebenso beeindruckend. „Paul Guenther, der bekannte Großindustrielle und Philanthrop.., wurde am Dienstag Nachmittag, dem 19. Januar, auf dem Locust Hill Friedhof in Dover zur letzten Ruhe gelegt. Schier zwei englische Meilen lang war der Leichenzug. Auto reihte sich an Auto von der Villa bis zum Friedhof.", berichtete die deutschsprachige 

"New Yorker Staatszeitung"  am 21.1.32. In allen Trauerreden wurden neben der Tatkraft und Energie des Unternehmers das soziale Engagement des Verstorbenen gewürdigt.

Welche Anteilnahme die Geithainer Öffentlichkeit (Stadt, Schule und Kirche) am Tod Paul Guenthers nahm zeigt, wie präsent der Stifter und Spender damals im Geithainer Alltag war. Die großzügige Fortsetzung der Spendentradition seit dem Jahr 1995 bis dato - trotz deren Tabuisierung in den 40 DDR-Jahren - ist leider im öffentlichen Bewusstsein der Stadt alles andere als präsent. Virginia Vanderbilt, die Ehrenbürgerin Geithains, konnte im März ihren 99. Geburtstag feiern.

   

Beitrag für April 2022

Geithain im 20. Jahrhundert

von Dr. Gottfried Senf

Das 20. Jahrhundert mit seinen Zäsuren 1918, 1933, 1945 und 1989/90 ist in Familiengesprächen weitaus präsenter als weit in der Stadtvergangenheit zurückliegende Themen. Seit Februar 2019 erscheinen in loser Folge auf der Homepage und im Amtsblatt Beiträge zur Geithainer Zeitgeschichte. Hinweise, Ergänzungen oder Fragen zu den Quellen bitte über E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!