Kreis Geithain KarteArchivDr.GottfriedSenfVor 70 Jahren – Geithain wird Kreisstadt

Heute ist Geithain Große Kreisstadt, d.h. eine große Stadt im Kreis Leipziger Land. 1952 wurde Geithain Kreisstadt, d.h. Verwaltungszentrum des neu entstandenen Kreises Geithain. Nach Auflösung der Länder und der  Verwaltungsreform in der DDR  wurde 1952 Sachsen in drei Bezirke eingeteilt und die Kreisgrenzen neu gezogen bzw. neue Kreise, darunter der Kreis Geithain, gebildet.

{Play}Er war einer der kleinsten Kreise der DDR. Das große Gebäude in der Bahnhofstraße diente ab 1952 als Sitz des Rates des Kreises. Es reichte für die vielen neuen Kreisabteilungen nicht aus. Unterhalb des  Hauptgebäudes, zum Stadtpark hin, wurden drei Baracken und hinter dem Hauptgebäude eine Baracke errichtet. Dazu kamen mehrere Garagen. Die Baracken stellten nie eine Zierde dar, wurden jedoch bis zuletzt, auch noch nach 1989/90, als Diensträume genutzt. Die letzten wichen dem Neubau der Sparkasse im Jahre 1997. An der Verwaltungsspitze stand der Vorsitzende des Rates des Kreises. Zu Beginn war es Georg Koller. Ihm folgten Rudolf Merres, Erwin Nickel und Dr. Lutz Helm. Die Stadtverwaltung, bisher im Hauptgebäude ansässig, musste umziehen. Der ehemalige Gasthof “Zum Goldenen Löwen“ am Markt wurde für viele Jahre als Rathaus genutzt. Die Bürgermeister wechselten nach 1945 sehr häufig: Kurt Müller (parteilos), Bruno Wagner (SPD), Paul Weise (KPD), Richard Schiebold (SED), Werner Oertel (LDPD), Willy Beckmann (SED), Franz Ruschepaul (LDPD, 1949-52). Es folgten noch Horst Hardt (SED) und Harald Strohbach (SED), bevor mit Silvester Poschmann (SED) ab 1958 bis in die 1980er Jahre Kontinuität im Bürgermeisteramt eintrat. Wie überall in der DDR fanden 1952 erstmalig auch in Geithain die Wahlen der Haus- und Straßenvertrauensleute statt. Ihre Anleitung erhielten diese vom Ortsausschuss der Nationalen Front in sogenannten „Aufklärungslokalen“. Die Hausvertrauensleute hatten das Hausbuch zu führen, in dem Zu- und Wegzug sowie der Aufenthalt von Gästen der Hausbewohner vermerkt werden mussten. Dem Ortsausschuss der Nationalen Front unterstand auch der Stadtfunk, der über mehrere große Lautsprecher die Stadt „beschallte“.  Den Stadtfunk gab es schon lange vor 1989 nicht mehr. Vielleicht weiß jemand, wann er eingestellt wurde. Die anderen hier angeführten Organisationen und Funktionen existierten wohl bis zum Ende der DDR, hatten jedoch längst nicht mehr die Bedeutung wie in den 1950/60er Jahren. Geithain verlor den Status Kreisstadt bald nach der Friedlichen Revolution von 1998/90 durch Einbeziehung in den Kreis Borna bis schließlich zur Gründung des Kreises „Leipziger Land“. Das  Gebäude des Rates des Kreises wurde für kurze Zeit Sitz des Landrates.

Es wurde später privatisiert und steht seit vielen Jahren leer.  Den Kreis Geithain und Geithain  als Kreisstadt gibt es nicht mehr. Aber Geithain ist seit 1. Januar 2020  Große Kreisstadt!   

Beitrag für Februar 2022

Geithain im 20. Jahrhundert

von Dr. Gottfried Senf

Das 20. Jahrhundert mit seinen Zäsuren 1918, 1933, 1945 und 1989/90 ist in Familiengesprächen weitaus präsenter als weit in der Stadtvergangenheit zurückliegende Themen. Seit Februar 2019 erscheinen in loser Folge auf der Homepage und im Amtsblatt Beiträge zur Geithainer Zeitgeschichte. Hinweise, Ergänzungen oder Fragen zu den Quellen bitte über E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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