Brunnen Heilquelle Park

Wer heute durch den Geithainer Tierpark geht, übersieht möglicherweise die ehemalige Geithainer Heilquelle. Sie ist schon lange nicht mehr in Betrieb und das markante Sternzeichen fehlt sogar schon seit mindestens 1933. Herrn Karlheinz Oertelt und Herrn Ulrich Ibrügger verdanken wir es, dass die Thematik „Heilquelle“ wegen Entdeckung neuer Fakten im Archiv wieder aktuell wurde. Geithain war in den 1930er Jahren fast auf dem Weg zu einer Badstadt.

Das Quellwasser wurde in bescheidenem Maße verkauft, Werbezettel verkündeten aber schon, es sei "bekannt in allen Weltteilen"! Die ganze Sache mit der Heilquelle geht wohl auf die Initiative des damaligen Bürgermeisters Dr. Rudolf Focke zurück, der sich in seiner Doktorarbeit schon mit Wasserfragen beschäftigt hatte. Im "Geithainer Wochenblatt" vom 11. Juli 1932 erschien ein ganzseitiger Artikel (Entstehungsgeschichte, Ablauf der Weihefeier, Festrede des Bürgermeisters), dem wir folgenden Auszug entnehmen: "Der Bedarf an Trinkwasser gab Veranlassung zur Suche nach einer neuen Quelle. Oberbohringenieur Kleinau aus Köthen wurde bald fündig und Regierungschemiker Dr. Friese von der Dresdener Stelle für öffentliche Gesundheitspflege untersuchte die Qualität des Wassers mit dem Ergebnis, dass wegen des Eisenkarbonatgehalts das Wasser für Heilzwecke dienen kann. Ein Sachverständiger vom Radiuminstitut der Bergakademie Freiberg gab den Radiumgehalt der Quelle mit 10 Macheeinheiten an.  ... Dr. Focke wies in seiner Rede auf die vielen Probleme hin, welche das Projekt auslöste und dankte allen, die seinen Optimismus teilten und ihn unterstützten. ... Der Entwurf des Brunnens stammt von Baumeister Richard Junghans. Kalkwerksbesitzer Kretzschmar stellte die Steine kostenlos zur Verfügung."                                  Werbezettel Heilquelle Bild: Werbezettel von 1932

 

Es existieren sehr viele Fotos von der Heilquelle, die meisten aber ohne den Stern. An einigen ist sogar erkennbar, dass der Stern nachträglich herausretuschiert worden ist. Dr. Focke war Mitglied in einer Freimaurerloge (s. Amtsblatt 12/2019). Er hatte veranlasst, dass ein wichtiges Symbol der Freimaurer, nämlich der „Fünfstern“ (Pentagramm) am höchsten Punkt der Heilquelle angebracht wurde. Wie in seiner Eröffnungsrede angedeutet, gab es in Geithain nicht wenige, die gegen sein Projekt „Heilquelle“ waren. Jetzt, nach 1933 und nach dem Tod des Bürgermeisters, sahen sie die Möglichkeit, das Sternsymbol zu entfernen. Wann genau das geschah, ob es einen Beschluss des Stadtrates gegeben hat und weitere Fragen sind zurzeit noch offen. Bei den Freimaurern steht der fünfzackige Stern für einen fünffach gebrochenen Lichtstrahl, dessen Anfang zu seinem Ende zurückkehrt. In der Heraldik (Wappenkunde) wird das Pentagramm auch als Drudenfuß bezeichnet. Es ist zu unterscheiden vom sechszackigen David-Stern, dem Stern der Juden.  1933 wurde die Freimaurerei in Nazi-Deutschland verboten, das Vermögen der Logen beschlagnahmt und ihre Mitglieder wurden verfolgt.  Im Gegensatz zu vielen osteuropäischen Staaten wurde die Freimaurerei in der DDR nicht per Gesetz verboten. Man sah jedoch auch keine Notwendigkeit, ein "Instrument des kosmopolitischen Großbürgertums" im neuen deutschen Staat wieder zuzulassen, was einem de facto Verbot gleichkam. (GOOGLE Freimaurer, Nov. 2019)

von Dr. Gottfried Senf

Geithain im 20. Jahrhundert

von Dr. Gottfried Senf

Die Geithainer Zeitgeschichte ist seit vielen Jahren Gegenstand der Forschungsarbeit des Heimatvereins. Die Zeit unserer Eltern und Großeltern in dieser Stadt interessiert manchen mehr als sehr weit in der Stadtvergangenheit zurückliegende Vorgänge, Ereignisse und Personen. Seit einigen Monaten erscheinen an dieser Stelle in loser Folge Beiträge zur Geithainer Zeitgeschichte. Hinweise, Ergänzungen oder Fragen zu den Quellen bitte über E-mail an:

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