Louis Petermann Grabstein Foto GottfriedSenf2019Stadt und Schule verdanken ihm sehr viel!
Zum Leben von Schuldirektor und Ehrenbürger Louis Petermann (2)
Louis Petermann lebte zusammen mit Frau und Tochter, trotz der Demütigungen durch Stadt und Schule (u.a. Aberkennung der Ehrenbürgerschaft) zurückgezogen in Geithain bis zu seinem Tod. Er starb hoch betagt  im Alter von 94 Jahren am 22. März 1964. Wie einsam wird sich der einst hochgeehrte Mann im Alter gefühlt haben? Er hat die stetige, offiziell gewollte und verordnete Verdrängung all dessen, was mit dem Namen Paul Guenther verbunden war, in seinen letzten Jahren noch miterleben müssen. Die Umbenennung der Schule im Jahre 1976 zu erfahren, blieb ihm erspart. Ebenso die Veröffentlichung der Festschrift zur 800-Jahrfeier der Stadt Geithain im Jahre 1986. Dort wurde in einer Zeittafel zur Geschichte Geithains der Schulbau 1925, geschweige die Namen Paul Guenther und Louis Petermann, mit keinem Wort erwähnt! Es wundert nicht, dass zur Friedlichen Revolution 1989/90 die Forderungen nach Wiedereinführung des alten Schulnamens die Diskussionen in Geithain zu einem großen Teil bestimmten. Nach Jahrzehnten des Verschweigens und Verdrängens mit dem Ziel des Vergessens erhielten die beiden verdienten Bürger Geithains ihre späte Würdigung: Seit 1. September 1990 heißt die große Geithainer Schule wieder Paul-Guenther-Schule. Seit 1991 gibt es in Geithain die Louis-Petermann-Straße und im Jahre 1996 beschloss der Stadtrat die Annullierung der Ehrenbürger-Aberkennung für Petermann aus dem Jahr 1954. Während runde Jahrestage der Schulweihe 1925 über Jahrzehnte hinweg „offiziell vergessen“, jedenfalls einfach ignoriert wurden, fand das 70. Weihejubiläum 1995 mit einem großen Fest statt. Zur Freude vieler Geithainer nahmen dort auch Nachfahren Paul Guenthers als Gäste teil. Obwohl seine Enkelin Virginia Vanderbilt über die viele Jahre währende Missachtung ihres Großvaters durch Stadt und Schule informiert war, begründete sie die Spenden- und Stiftertradition Paul Guenthers neu. Sie begann mit einer Spende von 70.000 Dollar im Jahre 1995, wie es in einem Beitrag des Schulleiters (LVZ v. 23./24.3.1996) heißt. Seit nunmehr über 20 Jahren spenden die Vanderbilts Jahr für Jahr erhebliche Beträge zur Unterstützung der Paul-Guenther-Schule. An zwei Stellen auf dem Geithainer  Friedhof wird an die beiden verdienten Geithainer erinnert. Ein kleiner, bescheidener Grabstein würdigt Louis Petermann. Dessen Rolle zur Entstehung der Paul-Guenther-Schule wird durch den noch bescheidener wirkenden Satz „Er regte den Schulbau an.“  ausgedrückt. Das große Grabmal am oberen Ende des Friedhofes ließ Paul Guenther zu Ehren seiner Eltern errichten, nachdem er 1919, erstmalig nach seiner Auswanderung, seine Heimatstadt besucht hatte. Die beiden Bilder, aufgenommen Juni 2019, verdeutlichen einerseits ihre Pflege (z.B. regelmäßiger Blumenschmuck) durch den Förderverein der Paul-Guenther-Schule, andererseits aber auch, dass ihre weitere Erhaltung nicht ohne finanzielle Aufwendungen notwendig sein wird. Stadt, Schule, Kirche, Heimatverein und alle Bürger der Stadt dürften gleichermaßen moralische Verantwortung tragen an der Erhaltung der Grabstätten und damit an der fortwährenden Erinnerung an die beiden Ehrenbürger der Stadt Geithain.
Geithain im 20. Jahrhundert von Dr. Gottfried Senf

Die Geithainer Zeitgeschichte ist seit vielen Jahren Gegenstand der Forschungsarbeit des Heimatvereins. Die Zeit unserer Eltern und Großeltern in dieser Stadt interessiert manchen mehr als sehr weit in der Stadtvergangenheit zurückliegende Vorgänge, Ereignisse und Personen. Seit Februar 2019 erscheinen an dieser Stelle in loser Folge Beiträge zur Geithainer Zeitgeschichte. Hinweise, Ergänzungen oder Fragen zu den Quellen bitte über E-Mail an:

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