Heimatverein Bad Wiking Archiv Dr.SenfGeithainer Badefreuden einst und jetzt
Freiheit am Wiking (Teil 2)

Zum Gelände des Sommerhofes gehörten zahlreiche ehemalige Kalkgruben, zumeist mit Wasser gefüllt und umwachsen mit Bäumen und Sträuchern. Einen dieser Teiche verpachtete Kurt Sommer um 1930 an die „Sportvereinigung Geithain e.V.“ Dieser Verein existierte seit 1923 und wurde Ende der 1920er Jahre von Alfred Leipscher als Vorsitzender geleitet. Die Mitglieder des Vereins verwandelten das Gewässer in eine gelungene Badeanstalt. Alfred Leipscher plante und leitete die umfangreiche, freiwillige Arbeit an dem Projekt. Fühlte man sich da draußen freier als im Städtischen Freibad oder wollte man ein vereinseigenes Bad? Das Wikingbad am Sommerhof, der Badeteich in Ottenhain und der Oberfürstenteich in Geithain waren bis in die 1950er Jahre beliebte Badestellen für die Jugendlichen aus Geithain und Umgebung. Der ehemalige Geithainer Dieter Herrschelmann erinnert sich: "Als Kind bin ich zwischen 1943 und 1950 im Freibad am Oberfürstenteich reger Besucher gewesen. Man traf sich dort, während der Ferien sogar täglich. Bademeister Max Straube war stadtbekannt. Seit 1950 war dann das Wikingbad für ca. ein Jahrzehnt unser Badedomizil. Anfangs waren noch Reste der Anlagen wie Sprungbrett und Floß nutzbar. Hervorragend war die Wasserqualität, man hatte eine Sichtweite bis 5 m unter Wasser. Mitte der 1950er Jahre baute das Emaillierwerk eine Pumpstation im Wiking und verlegte eine Wasserleitung. Die Entnahme von Betriebswasser (u. a. für Kühlzwecke) wirkte sich im Zusammenspiel mit anderen Ursachen negativ auf die Wasserqualität und  seine Klarheit aus. Dieses, die Bebauung des Geländes (Bungalowsiedlung) ab Mitte 1970er  Jahre und natürlich der Bau des neuen Freibades am Oberfürstenteich  trugen dazu bei, dass das Wikingbad völlig an Bedeutung verlor. In unseren Jugenderinnerungen hat es einen festen Platz.  Stammgäste waren fast alle Geithainer Oberschüler und einige Lehrer, wie beispielsweise Herr Brehme und Fräulein Jacobs ("die Babka"). Sie hatte eine Sonderabsprache mit Herrn Wüstner und badete in seinem Privatteich mit noch klarem Wasser.  Vom ehemaligen Wikingbad ist heute nichts mehr zu sehen. Die vor einigen Jahren in der Nähe entstandene Straße mit den Energiesparhäusern trägt zur Erinnerung den Namen "Am Wiking".

von Dr. Gottfried Senf

Die Geithainer Zeitgeschichte ist seit vielen Jahren Gegenstand der Forschungsarbeit des Heimatvereins. Die Zeit unserer Eltern und Großeltern in dieser Stadt ist zwar Geschichte, interessiert manchen aber mehr als sehr weit in der Stadtvergangenheit zurückliegende Vorgänge, Ereignisse und Personen. In den folgenden Monaten werden an dieser Stelle in loser Folge Beiträge zur Geithainer Zeitgeschichte veröffentlicht.

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