DerGas- und Wasserausschuss“ innerhalb des Geithainer Stadtrates fasste seit Beginn des vorigen Jahrhunderts für die Stadt entscheidende Beschlüsse. Die Sitzungsprotokolle liegen vollständig bis 1940 im Stadtarchiv vor.

Neben dem Wasserwerk entstand, ebenfalls 1904, das Städtische Gaswerk hinter dem „Schützenhaus“ und der Turnhalle an der äußeren Dresdener Straße. Zum Werk gehörten neben anderen Betriebsgebäuden auch ein deutlich sichtbares Gasometer. Die Baukosten beliefen sich auf 132.000 Goldmark. Zusammen mit dem Wasserwerk stellte das eine unglaubliche Investition der Stadt dar. War schon die Städtische Sparkasse ein gewinnbringender Betrieb, sollte sich auch das Geithainer Gaswerk als ein Segen für den Stadthaushalt erweisen. Im Jahresbericht 1930 des Bürgermeisters heißt es: „Während die Finanzierung des Krankenhauses immer prekär bleibt, werden die anderen städtischen Einrichtungen wie Spar- und Girokasse sowie Wasser- und Gaswerk auch in diesem Jahr mit Gewinn betrieben.“

Der Gasabsatz florierte von Anfang an: 120 Straßenlaternen und 261 Grundstücke waren gleich zu Beginn zu versorgen. Man nannte den neuen Energieträger „Stadt-„ oder auch „Leuchtgas“. Es wurde, auch im Geithainer Gaswerk, durch Kohlevergasung gewonnen. Es enthielt an die 10% Kohlenmonoxid und der Umgang damit, besonders im Haushalt, war problematisch. Trotzdem schlossen sich immer mehr Haushalte an die öffentliche Gasversorgung an. Das Fundament einer Gaslaterne wurde bei Bauarbeiten in der Bahnhofstraße in den 1990er Jahren gefunden. Im Haus Robert-Koch-Straße 21 konnte man noch in den 1960er Jahren die Gasleitungen für die Treppenbeleuchtung sehen, obwohl seit Jahrzehnten schon elektrischer Strom für Beleuchtungszwecke verwendet wurde. So wichtig und gewinnbringend das Gaswerk über Jahrzehnte für Geithain war, rentierte sich das Betreiben kommunaler Gaswerke bald nicht mehr. Nachdem das Geithainer Gaswerk seine Funktion schon einige Jahre vorher verloren hatte, wurde es 1957 durch den VEB Gasversorgung Leipzig abgerissen. Die Umstellung von Leuchtgas auf Erdgas erfolgte europaweit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sowohl für Beleuchtungszwecke als auch im Haushalt ging die Verwendung von Gas zugunsten elektrischer Energie zurück. Das gilt wiederum europaweit. Die Verwendung des Erdgases für Heizzwecke nahm allerdings nur in Westeuropa bzw. der alten Bundesrepublik rasant zu. Ein analoger Prozess fand in Ostdeutschland erst nach der Wiedervereinigung 1990 statt. Die neuen Erdgasleitungen aus der Sowjetunion führten zwar schon seit Ende der 1970er Jahre auch durch die Geithainer Region. Erdgasnutzung für die Heizung und Ablösung der alten Elektro- und Kohleheizungen wird für Geithain, wie für alle Kommunen in der ehemaligen DDR, kennzeichnend für die 1990er Jahre.

Geithainer Gaswerk Gasometer Turnhalle Schuetzenhaus WickershainerKirche 1930er Jahre BildArchiv Dr.GottfriedSenf

 

Geithainer Gaswerk mit Gasometer, Turnhalle, Schützenhaus, Wickershainer Kirche, 1930er Jahre
  Bild: Archiv Dr. G.Senf